Irgendwie kapier ich hier nichts mehr.
Wenn ich mir die derzeitigen Vorschläge anschaue um zu „sparen“ ist das für mich als ob ich mir die Inspektion fürs Auto spare, kostet zu teuer.
Blöd ist nur, dadurch wurde die Gefahr für den Motorschaden nicht gesehen.
Und der kostet richtig viel Geld.
Nur dass hier halt nicht über eine Maschine oder ein Auto gesprochen wird, sondern über Menschen.
Und über ein System, das für uns alle immer lausiger wird dadurch.
Kann mir das bitte jemand erklären? Was sparen wir hier?
Schulbegleitung für Kinder
Ja klar kostet sowas.
Aber:
Unser größtes Kapital für die Zukunft sind doch die Kinder und Jugendlichen.
Ihr Wissen, ihre Fähigkeiten, ihre Arbeitskraft später tragen doch unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft in ein paar Jahren.
Wenn wir all die Kinder, die diese Begleitung jetzt brauchen, über die Kante fallen lassen, nehmen wir ihnen doch auch die Chance später am Bruttosozialprodukt beizutragen.
Sie werden dann nur Kosten verursachen.
Wobei ich dieses Menschenbild, bei dem alle und jede*r nur ein Kostenfaktor ist dermaßen schrecklich finde, ich kann es gar nicht ausdrücken wie schlimm das ist.
Was ist das für ein Menschenbild, dass billigend in Kauf nimmt, dass ein relativ großer Prozentsatz der Menschen schlicht hinten runter fällt. Nicht weil sie schlecht oder böse sind, nur weil sie krank sind, arm sind, keine reichen Eltern haben, im falschen Stadtteil geboren sind, die falsche Hautfarbe haben u.ä.
Selbst wenn wir das rein rechnerisch betrachten, wie dämlich sind wir denn, uns so viel Potential entgehen zu lassen?
Ich kapiere einfach nicht wieso so kurzsichtig entschieden wird.
Wieso so komplett ohne jede Menschlichkeit, ohne Rücksicht auf schwächere Menschen regiert wird, und das von Parteien die sich Christlich oder Sozial nennen.
Wenn ich dieses „Eigenverantwortung“ nochmal höre kotze ich im Strahl.
Kindern „Eigenverantwortung“ zu geben wenn Nahrungsmittel und Getränke die speziell für sie gemacht wurden so mit Zucker versetzt sind. Als ob ich jemanden erst anfixe und dann sage „brauchst die Drogen ja nicht zu nehmen, zwingt dich ja keiner dazu“
Vorsorge in „Eigenverantwortung“, wenn ein so großer Teil der Bevölkerung kaum Lebensmittel für den ganzen Monat bezahlen kann. Wenn das Geld am 20. oft schon alle ist, wovon soll ich denn dann noch was zurücklegen?
Gerade Menschen mit mittleren und niedrigeren Einkommen sind da völlig draußen. Da ist einfach nicht genug um wirklich vorzusorgen für Zahnbehandlungen, Rente etc.
Vielleicht bin ich zu naiv, aber reine Milchmädchenrechnung:
Alle die kaum oder gar nichts haben helfen zusammen in der Krankenkasse, alle die mehr als genug haben spielen nicht mit. Komisch, dass das nicht funktioniert.
Sozialstaat heißt doch ALLE stehen zusammen, die stärkeren tragen die schwächeren mit, damit alle ein halbwegs gutes Leben leben können. Soooo schwierig ist das doch nicht zu verstehen. Warum sind dann bei uns unter ALLE nur die gemeint, die selbst kaum was haben?
Ja vielleicht bin ich naiv, aber hätten unsere Politiker wirklich einen Arsch in der Hose, würden sie bei einer Krankenkassenreform nicht denen noch mehr wegnehmen die eh nix haben sondern endlich mal wirklich eine Reform durchziehen. Heißt auch Gutverdiener zahlen mit ein, auch Beamte, Selbständige, Politiker, Abgeordnete und Minister zahlen mit rein.
Wie viel kann unsere Demokratie noch aushalten?
Ja, mag sich sehr dramatisch anhören. Für mich ist es aber wirklich eine große Gefahr für die Demokratie wenn sich dieser soziale Zusammenhalt weiter so entwickelt.
Es geht nicht lange gut, wenn so viele permanent verzweifelt sind, ständig in Angst leben, wenn so viele Kinder und junge Erwachsene über die Kante fallen, anstatt eine Zukunft zu bekommen.
Lange Zeit habe ich selber jeden Monat an der Kante gelebt, ich weiß genau wie sich das anfühlt wenn du am 20. nur noch Brot und Joghurt zu essen hast. Wie das ist, wenn du Panikattacken bekommst, wenn die Waschmaschine ruckelt oder deine Schuhe kaputt gehen. Einfach weil du es nicht ersetzen kannst. Es ist nichts da womit du es tun könntest.
Ich weiß, wie viel Kraft es kostet mit dieser Panik, dieser Verzweiflung und Angst zu leben. Da ist kaum genug Kraft übrig zum Beispiel um sich für Politik zu interessieren oder gar zu kämpfen. Du überlebst nur noch. Absolutes Minimum, für mehr reicht es nicht.
Wie ich schon im Artikel Gerechte Welt geschrieben habe, ist es gar nicht so einfach diesen Begriff von Gerechtigkeit oder Fairness zu definieren.
Für mich bedeutet er, dass alle, völlig egal wie sie aussehen, woher sie kommen, wo sie wohnen, welche Religion, Sprache oder oder oder, das Recht auf ein gutes Leben in Würde haben. Ein selbst bestimmtes Leben, in dem sie Hilfe erhalten, wenn sie sie benötigen, und helfen wenn andere es brauchen.
Ich weiß allerdings auch, dass ich mit dieser Ansicht nicht unbedingt bei der Mehrheit bin.
Meine Frage ist dann eher, wie viel Ungleichheit kann sich unser Land, unsere Gesellschaft leisten bevor es knallt?
Wie teuer wird es uns kommen, so viele Kinder ohne gute Bildung oder Ausbildung zu lassen? So viele Menschen ohne Hilfe?
Das kostet uns vielleicht heute weniger, wir „sparen“ ja überall nur weil es „notwendig“ ist.
Aber spätestens in ein paar Jahren wird es uns ein zigfaches dessen kosten, was wir heute sparen. Scheint nur niemanden zu interessieren, zumindest niemanden der die Entscheidungen trifft.
Wer trägt hier eigentlich welches Risiko?
Klar haben wir nicht unendlich viel Geld.
ABER: Wenn genug Geld da ist, um Flugtickets günstiger zu machen, oder fette Dienstwagen zu bezuschussen, (vor allem zu Zeiten in denen wir kaum Öl haben) dann ist wohl offensichtlich Geld da. Es wird nur an der falschen Stelle ausgegeben.

Mal ne ganz verrückte Idee.
Haben ja schon einige Länder gemacht.
Lasst uns doch mal ein Jahr ausprobieren, Flugtickets teurer machen, weil wegen Krieg und Straße von Hormus und eh kein Öl da.
Tempolimit 130 auf der Autobahn, mal schaun ob das wirklich so überlebenswichtig ist mit 200 zu brettern.
Eine Bürgerversicherung durchziehen, ok, dafür müssten tatsächlich CDU und SPD auch mit den Grünen und vielleicht sogar den Linken reden und gemeinsam was auf die Beine stellen, fast wie Erwachsene agieren also. Schwierig aber vielleicht kriegen sie es ja hin.
Und all das Geld, was damit reinkommt, vielleicht auch noch mit so verwegenen Sachen wie Steuerhinterzieher ernsthaft verfolgen (nein, nicht Tante Erna mit ihren 3,50 die sie vergessen hat anzugeben, ich mein die bei denen es gleich ganz viele 0er vor dem Komma bringt), Vermögenssteuer wieder einführen und Schlupflöcher dicht machen.
Das Geld dann nehmen und so verrückte Dinge damit tun wie Schulen reparieren, Krankenkassen die Gelder geben, Kinder unterstützen, die Bahn endlich sanieren (nein nicht die Straßen, den öffentlichen Nahverkehr erst mal) und das Deutschlandticket wieder für alle bezahlbar machen.
Also Dinge die vor allem auch die schwächeren Teile der Bevölkerung spüren würden.
Surprise, das ist der Großteil der Bevölkerung.
Ich hab die Tage ein YoutubeVideo gesehen, das verlinke ich hier. Marcant und Heidi Reichineck. Da hat sie eine kleine Challenge für den Bundeskanzler ausgerufen. Ich fand es lustig. Klar dass der sich nie drauf einlassen würde, er hätte aber auch keine Chance sie zu schaffen.
Wie können wir das rumreissen?
Ich bin da echt überfragt, aber irgendwie müssen wir das in den Griff bekommen, wenn wir das so weiterlaufen lassen haben wir 2028 die Absolut keine Alternative in der Regierung. Wohin das führen wird ist glaub ich ziemlich klar.
Wer hat eine Idee, wie wir das stemmen können?
Wie können wir unseren Regierungen klar machen, dass es nicht nur um ihre Wiederwahl geht sondern um unsere Demokratie?
Dass es um alle Menschen hier geht, nicht nur um die oberen paar Prozent.
Wie können wir den Überreichen klar machen, dass ihr Besitz auch den Bach runter geht wenn es hier knallt?

Mir glüht der Kopf.
Das kann doch so nicht weitergehen.
Wer hat eine Idee wie wir das hinbekommen? So richtig gemeinsam.
Wie kriegen wir auch den Beamtenbund und ähnliche dazu, beim Sozialstaat mitzuziehen? Privatversicherte auch mit ins Boot zu holen.
Wenn es knallt knallt es für uns alle, und das wird bestimmt nicht lustig.
bis neulich, eine ziemlich ratlose Antonia







