Als Kind, an diesen herrlich entspannten Sommernachmittagen, an denen ich einfach nur auf einer alten Holzbank unter einer knorrigen Eiche gesessen habe, mit einem Notizbuch auf dem Schoß und meinem Lieblingsstift in der Hand, am Kritzeln und glücklich.
Ich hatte lange Zöpfe und habe immer drauf herumgekaut, wenn ich intensiv gezeichnet habe.
Die warme Sommerluft strich sanft über meine Haut, während in der Ferne das leise Summen der Bienen zu hören war. Meine Gedanken flossen wie sanfte Sommerwellen. Ich kritzelte, schrieb, zeichnete Herzchen oder Karos, ich war für die Welt verloren in diesen Momenten, völlig weggetreten in meiner Welt.
Heute nenne ich es Meditation mit Stift, damals war es einfach nur träumen und kritzeln.
Handschrift stärkt dein Gehirn, und dein Gefühl für dich
Schreiben und zeichnen mit der Hand ist kein Nostalgie-Kult, es ist Hirn-Fitness, Tiefenarbeit, ok, vielleicht auch ein bisschen Rebellion gegen die überall vorhandene Digitalisierung.
Mit der Hand zu schreiben aktiviert nicht nur dein Gehirn, es vernetzt tief im Gehirn viel besser was du da gerade schreibst. Studien zeigen ganz deutlich dass Schreiben mit Stift mehr Hirnregionen verbindet als Tippen. EEG-Messungen aus Norwegen bestätigen dass dabei ganz intensive neuronale Verbindungen entstehen in den Bereichen die für Lernen und Erinnern zuständig sind.
Und: Wer während eines langweiligen Vortrags kritzelt, erinnert sich im Schnitt 29 % besser – kein Quatsch, sondern wissenschaftlich belegt . Kritzeln ist kein Abschalten, sondern gezeichnete Konzentration. Wußten wir doch in der Schule schon oder nicht?
Studien zeigen auch: Zeichnen ist ein Turbo fürs Gehirn. Wer statt nur zu schreiben auch Bilder oder kleine Skizzen einbaut, verankert Inhalte tiefer.
Für Kinder ist Handschrift besonders wertvoll. Studien zeigen, dass Kinder, die Buchstaben per Hand schreiben, diese besser erkennen und schneller lesen lernen. Die haptische Erfahrung unterstützt die kognitive Entwicklung und fördert feinmotorische Fähigkeiten. Was für Kinder gilt, funktioniert auch bei Erwachsenen: spielerisch lernen und entspannt bleiben gehen Hand in Hand.
Kurz gesagt: Wenn du mit der Hand schreibst oder zeichnest, denkt dein Gehirn anders. Viel tiefer, langsamer und dafür nachhaltiger.
Wer erst mal nur den Kopf frei bekommen will, ohne gleich zu zeichnen:
Wie wär es mit einem Braindump?
Schnapp dir irgend einen leeren Zettel, einen Stift mit dem du gut schreiben kannst, stell dir den Timer auf 2 Minuten. Atme tief ein und dann schreib los. Völlig egal was, alles was dir gerade in den Kopf kommt, ohne nachzudenken, ohne zu werten, einfach runterschreiben.
Selbst wenn dann was rauskommt wie: doofe Kollegen, Milch, Butter, Turnschuhe, Kindergarten….. völlig egal.
Es ist als würdest du dein Gehirn ausmüllen, mal alles was da gerade im Weg ist aufs Papier werfen damit du wieder Platz hast sinnvoll zu denken. Klingt bescheuert, funktioniert aber super.

Neurozeichnen, oder Meditation mit Fineliner und Buntstiften
Ich hör dich schon „aber ich kann doch gar nicht zeichnen, ich bin da total unbegabt“. Hier geht es nicht um Begabung. Du kannst einen Stift halten? Wunderbar, du kannst Neurograpik machen.
Es geht hier ums Zulassen, um innere Verbindung, nicht darum Kunstwerke für die Ewigkeit zu erschaffen.
Als ich vor zwei Jahren auf die Neurographik gestoßen bin war ich skeptisch. Ich dachte mir: „Zeichnen ist ja toll, ich liebe zeichnen, malen, Farben, aber als Meditation hab ich es nie empfunden. Wie soll das denn funktionieren?“
Dann hab ich es ausprobiert, hab mich drauf eingelassen und wow. Es war wirklich wie eine Meditation mit Fineliner und Buntstiften. Ich war sowas von im Flow, hatte Ideen, Lösungen für ein Problem daß ich seit Tagen gewälzt hatte, ich hab plötzlich völlig andere Seiten gesehen. Natürlich hab ich mich dann schlau gemacht und gelernt: Das Unterbewußtsein zeichnet da gewaltig mit, wenn wir es lassen.
Heute weiß ich: genau das passiert.
Beim Neurozeichnen schaltet das rationale Denken ab, das visuelle System übernimmt, und dein Gehirn verbindet sich mit tieferen Ebenen.
Klingt esoterisch, ist aber pure Neuropsychologie.
Wer mich kennt weiß, Esoterik ist so überhaupt nix für mich.
Wenn du es auch mal ausprobieren willst mit dem Stift zu denken, jeden Dienstag Nachmittag ab 17.00 gibt es Freies Neurozeichnen. Ohne Anmeldung, ohne Funnel, einfach Zeichnen.
Mein 5-Minuten-Kritzel-Ritual für mehr Lebensfreude
Ich hab es mir zur Gewohnheit gemacht jeden Tag für 5 Minuten zu kritzeln. Ich schnapp mir mein Notizbuch (muss nix besonderes sein, nur unliniert), setze mich an meinen Lieblingsplatz und leg los. Ich lasse meine Gedanken einfach aufs Papier fließen, kleine Zeichnungen oder Krakeleien dazu. Ohne Druck, ohne Erwartung. Einfach laufen lassen und Spaß haben.
Für mich Entspannung Pur.
Probier es mal, gönn dir diese analoge Auszeit, spüre die Verbindung zwischen Hand und Kopf und erlebe, wie das dein Gehirn stärkt.
Schreiben per Hand bedeutet nicht trockene Notizen oder langweilige To-Do-Listen. Hol dir bunte Stifte, glitzernde Marker oder ein Notizbuch, das du liebst. Verwandle jede Schreibsession in einen kleinen kreativen Sommertanz.
Dein Gehirn wird es dir danken. (Wir verraten es auch nicht, wenn es zusätzlich noch Spaß macht, Ehrenwort)
Farben, Formen & das Hirn – kein Zufall, sondern unbezahlte Tiefe
Schon Carl Gustav Jung nannte Farben „die Muttersprache des Unbewussten“ Er ließ Farben in seine eigenen Bilder einfließen, wie in sein „Rotes Buch“, weil Formen und Töne direkt das Unbewusste ansprechen.

Moderne Farbpsychologie bestätigt seine Beobachtung:
Rot stärkt Aufmerksamkeit und Zielorientierung.
Blau fördert kreative Offenheit, perfekt für Brainstorming und Ideenfluss.
Diese Effekte geschehen größtenteils unbewusst, lassen uns feiern, fühlen, denken, ohne dass wir es merken.
Es sind genau diese Verbindungen zwischen visueller Wahrnehmung und innerem Erleben, die auch beim Zeichnen mit Neurographik wirksam werden: Farben und Linien sprechen direkt mit deinem Unterbewusstsein, laden dein Gehirn zum Mitdenken ein und öffnen Räume für neue Perspektiven.
Schreiben und zeichnen per Hand sind wirklich keine Nostalgie-Rituale. Sie führen dein Denken und Fühlen zusammen, helfen dir neue Wege zu finden und deine Gedanken besser zu verankern.

Das war´s für heute wieder, bis neulich dann
Toni vom Café Ruhepol








Hallo Toni,
interessant, was wissenschaftlich so alles bewiesen ist. Ich hab gerade auch erst wieder festgestellt, dass das Ideensammeln für neue Geschichten für mich deutlich besser funktioniert, wenn ich sie mit der Hand aufschreibe, auch wenn ich danach nicht mehr zwingend alles lesen kann (aber das ist eine andere Geschichte) genauso finde ich meine Designs besser, wenn ich zumindest die Umrisse mit der Hand gezeichnet hab. Und ich kritzel auch gern einfach so dahin, wie du es beschreibst, allerdings meist nur mit schwarzer Tinte oder Kugelschreiber. Aber ab und an hol ich auch Farben raus und experimentiere. Vielleicht sollte ich das öfter machen. Jedenfalls, vielen Dank für die Anregung.
Viele Grüße Andrea
hallo Andrea,
Farben docken halt nochmal an andere Stellen im Gehirn an und lösen dort auch nochmal mehr aus.
Unser Unterbewußtsein braucht nicht unbedingt noch lesen zu können was da stand, das merkt sich das auch so.